Noch bevor jemand Platz nimmt, haben die Textilien das Licht im Raum bereits verändert. Ein Vorhang kann den Nachmittag weicher machen; eine Tischdecke verwandelt eine harte Oberfläche in einen Ort zum Verweilen.
Bei Busatti in Anghiari stehen nach Angaben des Unternehmens am historischen Standort noch Webstühle mit Schiffchen aus den 1920er- bis 1960er-Jahren, auf denen Leinen und Baumwolle verarbeitet werden. Busatti beschreibt zudem einen neueren Produktionsort für zeitgenössische Techniken und Entwürfe. Dieses Nebeneinander erzählt mehr als das Wort „traditionell“. Entscheidend ist nicht nur, ob eine alte Maschine zum Einsatz kommt, sondern ob Faser, Gewebe und Veredelung dem beabsichtigten Leben des Stoffes dienen.
Halten Sie eine Vorhangprobe vor Ihr eigenes Fenster: Dämpft sie das Licht oder sperrt sie es aus? Überlegen Sie bei einer Tischdecke, wie oft Sie sie waschen werden und wie sie über die Tischkante fällt. Fragen Sie bei Polsterstoffen nach Abrieb, Reinigung und Ersatz, bevor Sie die Farbe wählen. Ein Nahfoto zeigt das Muster, aber nicht den Fall des Gewebes oder sein Gefühl nach einem Monat Nutzung.
Erfragen Sie Zusammensetzung, Maße, Verarbeitung und Pflegehinweise. Wird der Stoff nach Maß gefertigt, liefern Sie die vom Hersteller oder Monteur verlangten Maße statt einer Schätzung. Ein schönes Gewebe für den falschen Einsatz könnte sein Leben damit verbringen, vor genau der Aktivität geschützt zu werden, die es begleiten sollte.
Auf einem Bild wirkt ein Gewebe beinahe flach. Im Raum hat es Gewicht, Bewegung und beim Anfassen sogar einen Klang. Deshalb ist eine kleine Stoffprobe so nützlich. Halten Sie sie ans Fenster, legen Sie sie über die Tischkante und vergleichen Sie sie mit den vorhandenen Oberflächen. Vielleicht wählen Sie eine andere Farbe oder behalten die Farbe und ändern die Webart.
Busattis Verbindung alter und neuer Methoden lädt dazu ein, die einfache Gegenüberstellung von Handarbeit und Industrie zu verlassen. Für Ihren Stoff zählen Zusammensetzung, Art des Webens und der Veredelung sowie die Eignung für seinen späteren Gebrauch. Ein Leinenvorhang, eine Baumwolldecke und ein gepolsterter Sitz stellen unterschiedliche Ansprüche. Der Name des Webstuhls beantwortet sie nicht.
Nehmen Sie eine Probe mit an Ihr Fenster oder Ihren Tisch. Sehen Sie sie zur Stunde an, in der Sie den Raum nutzen. Die wichtigste Entscheidung über den Stoff fällt womöglich dort, jenseits des Fotos und im Licht, mit dem er leben wird.



