Es gibt eine Vorstellung von italienischem Design, die sich mühelos an einer Museumswand unterbringen lässt. Und es gibt die Arbeiten von Menschen, die heute gestalten, deren Namen eine Suchmaschine aber noch nicht von selbst ergänzt. Beides verdient Aufmerksamkeit. Doch nur das Zweite zeigt uns, wofür sich eine neue Generation beim Gestalten entscheidet.
Drei sehr unterschiedliche Wege führen in diese Welt. In Mailand bezeichnet Bracciodiferro die eigene Arbeit als selbst produziertes, experimentelles Design mit Einzelstücken und limitierten Auflagen. In Florenz arbeitet Castorina 1895 mit geschnitztem und veredeltem Holz und überträgt Techniken der Florentiner Kunsttischlerei auf Möbel und Objekte. Nahe Perugia verarbeitet Domiziani Vulkangestein und Keramik und verbindet Handarbeit mit halb industriellen Verfahren. Das sind nicht drei Varianten desselben „italienischen Stils“. Der eine Ansatz beginnt mit Provokation, der andere mit Schnitzarbeit, der dritte mit den Möglichkeiten eines Materials.
Gerade dieser Unterschied macht die Suche sinnvoller. Fragen Sie zuerst, was ein Objekt in einem Raum bewirken soll. Soll es eine erwartbare Einrichtung durchbrechen? Wer näher tritt, mit einem Detail belohnen? Dem täglichen Gebrauch im Freien standhalten? Schauen Sie dann auf die Entscheidungen hinter dem Objekt: Wer hat es entworfen, wer stellt es her, was lässt sich verändern und was nicht?
Eine unverwechselbare Marke ist nicht automatisch die richtige Marke für Sie. Eine ungewöhnliche Form kann auf Dauer ermüden; ein zurückhaltendes Stück kann unentbehrlich werden. Betrachten Sie die Arbeit jenseits ihres eindrucksvollsten Fotos. Informieren Sie sich über Maße, Materialien, Verwendungszweck und Pflege. Wenn das Unternehmen eine Werkstatt nennt, fragen Sie, was dort tatsächlich geschieht, statt das Werkstattfoto als Beleg für jede Behauptung zu nehmen.
Ein sinnvoller erster Besuch auf der Website eines dieser Hersteller beginnt deshalb nicht mit der Suche nach dem berühmtesten Stück. Öffnen Sie zunächst die Seite über die Herstellung und kehren Sie danach zu dem Objekt zurück, das Sie angesprochen hat. Erklärt die Arbeitsweise, was dieses Stück besonders macht? Die geschnitzte Kante eines Schranks, die Bearbeitung einer Steinoberfläche und die Konstruktion eines experimentellen Sitzmöbels sind unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Was hat jemand hier bewusst getan, das ein anderer Gestalter weggelassen hätte?
Danach folgt ein zweiter Test: Stellen Sie sich das Objekt zu Hause vor, bei ungünstigem Licht, an einem gewöhnlichen Tag und neben den Dingen, die Sie bereits besitzen. Ein Stück kann optisch originell sein und dennoch keinen natürlichen Platz in Ihrem Leben finden. Umgekehrt kann ein stilles Objekt immer wieder Freude machen, weil Proportionen, Oberfläche und Gebrauch sorgfältig durchdacht sind. Originalität überzeugt vor allem dann, wenn sie den Weg vom inszenierten Foto in einen bewohnten Raum übersteht.
Sehen Sie sich die drei Studios noch einmal an. Ihre Arbeiten passen zu unterschiedlichen Räumen, Gewohnheiten und Menschen. Die eigentliche Entdeckung ist keine neue Liste von Namen zum Auswendiglernen. Es ist der Moment, in dem eine bestimmte Sichtweise im eigenen Zuhause plötzlich Sinn ergibt.



